Dienstag, 11. Oktober 2011

Das kommt mir irgendwie französisch vor!


Als ich mich Ende letzten Jahres für ein Jahr in Ghana entschied, habe ich mich für ein Umweltprojekt beworben, für welches ich glücklicherweise auch angenommen wurde. Aber wie es so oft ist, kommt es im Leben anders als gedacht. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass nicht nur die Gelder des Projektes begrenzt sind, sondern demzufolge auch der Arbeitsbereich. Aus diesem Grund entschieden wir gemeinsam, dass ich zunächst in einer Schule, aus denen nun vier geworden sind, als Lehrerin tätig sein soll. Die Fächer waren damals noch nicht ganz klar, jedoch freute ich mich sehr auf die Arbeit mit den Kindern. Nachdem bekannt wurde, dass ich französisch lernte, wurde ich zu meiner großen Überraschung als Französischlehrerin auserkoren. Ich und französisch: das ist genauso skurril wie einen Elefanten in der Arktis anzutreffen. Aber man wächst bekanntlich an seinen Herausforderungen und nach mehr als einem Monat kann ich sagen, dies hat ein sehr schlauer Mensch gesagt. Ich muss zwar sehr hart büffeln, aber auch mein französisch wird immer besser.

Generell ist es sehr erstaunlich, dass in Ghana, welches umzingelt von frankophonen Staaten ist, so gut wie niemand französisch lernte, was auch der Grund ist, weshalb die Schulleiter der vier verschiedenen Schulen, an denen ich nun unterrichte, in meinem Aufenthaltsjahr eine Chance sehen. Also heißt es nun umdenken, denn was nützt den Schülern hier die Kenntnis einer Frankreich-französischen Kultur. Daher wird in den Beispielen aus Paris Lomé, die Hauptstadt von Togo, gemacht und aus Baguette das traditionelle Westafrikanische Gericht Fufu.

Es macht wirklich sehr viel Spaß, da die Schüler hier wirklich lernen wollen, insbesondere die höheren Klassen. Sie saugen praktisch jedes Wort von meinen Lippen und auf der Straße werde ich mit: „Bonjour Madame Bianca ça va?“ angesprochen. Dennoch komme ich nicht Drumherum mich manchmal zu fragen: Was mache ich nur hier? Ich bin kein ausgebildeter französisch Lehrer und dennoch stelle ich mich vor eine Klasse mit der Gefahr, dass ich jene Fehler, die ich selber mache an insgesamt 400 Schüler weiter gebe. Aber vielleicht ist es eine Chance. Zum einen, die sich den Schülern ermöglicht, um die Grundkenntnisse des französische zu erlernen, um sie später vertiefen zu können, aber vor allem für mich, die an einer großen Herausforderung wächst – zumal der französisch Unterricht auf englisch erfolgt, was umdenken fordert. Wie sich alles entwickelt kann ich jetzt noch nicht sagen, jedoch bin ich dankbar über jeden weiteren Tag, an dem ich hier sein darf und an dem ich jeden morgen aufs neue von strahlenden Kindergesichtern begrüßt werde, die mir sagen: „Madame Bianca but today you come to us to teache french.“

Montag, 10. Oktober 2011

Fünf Sinne: Fühlen


Eigentlich wollte ich den nächsten Post der Fünf-Sinne-Cinqologie zu dem Gebiet Sehen machen und hatte eher die Frage, was ich denn eigentlich zu dem Bereich des Fühlens schreiben soll. Zwar ist die Haut unser größtes Organ, jedoch ist das Wahrgenommene nicht leicht bzw. schnell beschrieben. Nach dem heutigen Tag weiß ich aber ziemlich genau, was ich schreiben werde.

Es ist halb elf abends gerade bei mir und ich komme gerade aus der Dusche. Nicht weil ich die Woche noch nicht geduscht habe – nein, das tat ich heute allein schon drei Mal - ,sondern weil ich heute einfach nur klebe. Eigentlich spielt es gar keine Rolle, ob man gerade aus der Dusche kommt oder nicht, man ist einfach nur nass. Ich rede hier von solch hohem Wassergehalt, dass man noch nicht einmal die Beine überschlagen kann, da das obere immer wieder abrutscht. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo die Feuchtigkeit her kommt: Kommt sie aus mir heraus, oder lagert sie sich einfach nur von der Luft an meinem Körper ab.
Meine Familie nennt mich immer nur Sonnenanbeterin, denn ich liebe die Sonne und sowohl Hitze, als auch Wärme machen mir gar nichts aus und die Worte schwitzen und Bianca sind in keinen semantisch logischen Zusammenhang zu bringen. Auch hier habe ich im Gegensatz zu Robin keine Probleme. Jedoch ist irgendwann bei mir dass Fass auch übergelaufen. In der Regel ist es hier bewölkt, doch heute hat sich die Sonne durch das dicke Wolkenfeld gekämpft und gleich einen Temperaturunterschied von gefühlten 20°C herausgeboxt. Trockene Luft wäre die eine Sache, doch hier fühlt man sich, als nehme man ein heißes Bad. Um die Mittagszeit ist es logischer Weise am heißesten, weshalb um diese Zeit auch alle ausgiebig Siesta machen, doch ich war heut beschäftigt. Zuerst bin ich durch Swedru gedüst und hab Einkäufe erledigt und dann bin ich hier von mir zu Hause zu Ottilie gelaufen. Da hier die Entfernungen relativ weit sind, laufe ich eben schneller, um nicht 1,5 Stunden zu brauchen, sondern nur 45 Minuten. Daher konnte ich heute nur zwischen nass und klitschnass sein unterschieden.

Da ich aber nicht nur Sonnenanbeterin, sondern auch Frierkatze genannt werde, gibt es natürlich selbst hier andere Tage. Ich bin wahrscheinlich die erste Weiße, die hier im Süden Ghanas des Öfteren mit Pullover rumläuft. Den Tag als ich in Cape war, brauchte ich sogar zwei in der Nacht. Für mich ist es sehr komisch, denn wenn man in einem Hostel übernachtet, dann findet man dort keine Decken vor. Schlafen ohne Decke: Vollkommen unmöglich! Egal wie kalt oder wie warm es ist, mindestens ein Stofffetzen muss meinen Körper bedecken und gerade in den Nächten die nur 22°C haben, brauche ich es zumindest unter der Bettdecke kuschlig warm. Nein im Ernst, abgesehen davon, dass ich die ein oder andere regnerische Nacht tatsächlich meinen dünnen Schlafsack aufgrund der Temperatur brauchte, kann ich selbst bei tropischen Klima nicht ohne ihn. So pflegen wir beide in der Regel eine Hassliebe zu haben: ich kann meist nicht mit ihm, aber auch nicht ohne ihn.

Doch trotz der Wärme, die einem so manchmal zu schaffen macht, gibt es nichts schöneres, als eine frische Brise Wind auf der leicht feuchten Haut und ein eiskaltes Getränk auf den trockenen Lippen zu spüren!

Sonntag, 4. September 2011

Fünf Sinne: Hören



Auf besonderen Wunsch meines liebsten Schwesterherzchens werde ich in diesem Post ungefiltert auf meine Sinneseindrücke eingehen, denn der Mensch, wie seit Jahrhunderten bekannt ist, definiert sich zumeist zwar durch seine Ratio, kann aber seine Existenz als Sinnenwesen und dessen Dominanz niemals leugnen. Also versucht euch einfach in mich hineinzuversetzen und meine Impressionen als die eurigen wahrzunehmen.

Hören
Zarte, spirituelle Stille – gibt es hier nicht. Ich denke oft an unseren Thüringischen Buchen- bzw. Mischwald in den Morgenstunden, wenn die Nacht noch verträumt zwischen, den Zweigen schlummert, die Tropfen des Taus die Gräser und Blätter für den anbrechenden Tag in vollen Grün erstrahlen lässt und die Feuchtigkeit des Bodens den Duft von Erde, Natur und Wald freigibt. Man lauscht in die Welt hinein und an das Ohr klingt eine beruhigende Stille. Nur wenn man die Luft anhält, darf man Zeuge des schüchternen Waldes werden, aus dem man leise einige Vogelklänge wahrnimmt. Ein Bild, das Eduard Mörike in seinem Gedicht Frühling versucht zu erfassen und bei all seiner sprachlichen Begabung, doch nicht vermag, die umfassende majestätische Allgegenwart eines für mich dort existierende Göttlichen, in seiner vollen Schönheit wiederzugeben. Noch viel stärker kommt dies im Winter zum Ausdruck, wenn der frische Schnee alles in einen langen Schlaf hüllt und das unversehrte Weiß auf die Reinheit und Unberührtheit hinweist.
Hier in der Natur zu sein bedeutet etwas vollkommen anderes. Wenn man es polytheistisch ausdrücken will, könnte man sagen, dass in unseren Wäldern der Gott der Spiritualität und Besinnung und hier der Gott des Lebens und der Üppigkeit zu Hause ist. Man steht in einem immergrünen Wald, dessen großen, Chlorophyll getränkten Pflanzen sich nicht nur um einen, sondern auch übereinen wie eine große Kathedrale erstrecken. Man hat fast den Eindruck, als wolle der Wald mit seiner Undurchdringbarkeit versuchen, seine Geheimnisse zu bewahren. Dem Neugieren wird nur durch ein musikalisches Konzert erlaubt, etwas über das vor dem Blick verborgene zu erahnen. Der Dirigent ist der Wind, der den Rhythmus durch das klangvolle säuseln der Blätter vorgibt. Der Takt wird von den tausenden Grillen und Fröschen angegeben, die einer lauter als der andere versuchen das Orchester der Gemeinschaft in vollem Glanze erstrahlen zu lassen. Die Violinen werden von den zahl- und facettenreichen Vögeln gespielt, die auch die schwersten und variierenden Melodien inbrünstig und voller Stolz spielen. Ein Konzert, das nicht nur durch seinen Klang bezaubert, sondern einen die Schönheit und Kraft des Lebens Tag und Nacht vor Augen führt.

Ähnlich verhält es sich in der Stadt bzw. in den Dörfern. Während Bleicherode und zahlreiche weitere Städtchen in Deutschland manchmal den Eindruck eines Dornröschenschlosses erwecken, auf dessen Bewohner sich vor 21 Jahren ein tiefer Schlaf legte und die nun in ihren Träumen hoffnungsvoll darauf warten, dass ein starker, junger Held sengende Hitze und eisige Winde übersteht, auf seinen weißen Ross angeritten kommt und den bösen Zauber bricht, fühlt man sich hier eher wie auf der großen Freudenfeier, die nach dem erlösenden Kuss zelebriert wird und auf der jeder das Leben an sich feiert. Die Stille eines verschlafenen Dörfchens wird schon allein durch das Orchester des Waldes, das von Nah und Fern durch die Straßen drängt, verbannt. Überall stehen, sitzen und laufen die Menschen, deren herzliches Lachen, Gespräche, Rufe oder aber auch Streitigkeiten die Wege belebt. Während man im Wald das Orchester der Tiere und der Natur genießen kann, schallt durch die Ortschaft das Konzert der Gemeinschaft. Überallher dringt eine laute Geräuschkulisse an das Ohr. Ich wohne hier in Nyakrom in einem Viertel namens Side. Das Haus steht auf einen Hügel und wenn ich abends auf der Terrasse sitze und die Nacht genieße, dann höre ich aus der Stad klingende, laute Gottesdienste. In einer unglaublichen Lautstärke schlängelt sich die ghanaische Hiplife- und Highlife-Musik den Hang zu mir herauf. Das Herz der Stadt schlägt mit den vibrierenden Trommelschlägen, die von irgendwoher schallen und das rauschende Blut wird durch leidenschaftliche Gesänge abgelöst. Die Grillen und Frösche, als stünden die verschiedenen Bigbands im Wettstreit zueinander, versuchen mit aller Kraft immer lauter zu werden um nicht überhört zu werden. Und dann, von dem gegenüberliegenden Hügel ertönen die magischen Gebetrufe einer Moschee. Die Melodie der Stadt heißt Leben.

Auch in unserem Haus, abgesehen von den Geräuschen der Natur und der Stadt, die durch den Innenhof und die offenen Fenster in jedem Moment allgegenwärtig sind, existiert keine Ruhe. Ab spätestens morgens um 6 Uhr beschallt Radiomusik oder der Fernseher durch die Gänge bzw. Zimmer. Wir sind hier zu neunt im Haus, weshalb immer jemand von Frühs bis spät abends redet oder irgendeinen Krach macht. Auch die Sprache Twi bzw. Fanti ist eine sehr kräftige, laute Sprache, weshalb sie immer intensiv und manchmal für mich etwas forsch ertönt. Vor kurzem hat mir Robin Ohropax gegeben, damit ich besser schlafen kann: Es war schrecklich. Ich fühlte mich hier so unwohl ohne die gewohnte Akustik, dass ich sie sofort wieder raus machen musste. Am Anfang war zwar die Geräuschexplosion ungewohnt und befremdlich, doch jetzt gibt sie mir ein Gefühl der Vertrautheit und Sicherheit, denn man weiß mit jedem Atemzug und Lauschen, dass man nicht allein und isoliert ist, sondern ein Teil des Lebens.

Please, turn off the light - Meine Erfahrung mit der "Lighthouse Chapel International"


Ghana ist super religiös, das ist ein Fakt. Jeder, aber auch wirklich jeder gehört hier einer religiösen Gemeinschaft zu. An den meisten Autos und Häusern findet man Gottesbekenntnisse. Eigentlich etwas schönes, jedoch sind auch einige sehr amüsante dabei. Auf einem fast auseinanderfallenden Taxi, dessen Fahrer einen selbst für ghanaische Verhältnisse rasanten Fahrstil hatte, stand in fetten Buchstaben: „Trust God“ und vor einer neu entstehenden Wohnsiedlung, in der ein Haus an dem anderen klebt und bei deren Bau nicht an fließend Wasser oder Kanalisation gedacht wurde konnte man: „God never fails“ lesen. So liegt es auch an der Tagesordnung, dass man sehr oft angesprochen wird, welcher Kirche man zugehört. Im Gegensatz zu meiner bisherigen Unterscheidung des christlichen Glaubens in evangelisch und katholisch, begegne ich hier mannigfacher Separationen. Es gibt hier tausende Bibelinterpretationen, nach denen tausende Kirchen gegründet werden. Sehr viele interessant finden sich hier runter, aber auch einige äußerst kuriose.

Vorgestern Abend saßen Robin und ich in einem Spot und erzählten, als zwei endzwanziger Männer sich zu uns gesellten. Es stellte sich heraus, dass Brother Kingsley und Isaac Prayer in der christlich religiösen Gemeinde namens Lighthouse Chapel International sind. Der Abend war wirklich sehr spannend! Ich, die ohnehin wahnsinnig interessiert an Überzeugungen, Begründungen und generell Religion - jedoch vor dem Hintergrund eines genauen Reflektierens – ist, lauschte den Worten des Brothers sehr genau, bis schließlich das immer häufiger werdende: „But…“, „Have you ever think about…“, „You have to sepperate…“, „There is a differenz…“ ertönte. Ein Wortgefecht folgte dem nächsten. Der Abend neigte sich dem Ende und ich ging nachdenklich ins Bett.

“Mr. Google knows everything!” (da hatte Frau Plaumann völlig recht) Daher konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Lighthouse Chapel International 1985 von einem Medizinstudenten namens Dag Heward-Mills, dessen Vater Ghanaer und Mutter Schweizerin ist, gegründet wurde. Zuerst war es nur ein kleiner Gebetskreis, dann machte er sich selbst zum Prediger, dann zum Reverand und schließlich `94 zum Bischof. Nach seiner Vorstellung ist Europa gottlos, daher auch der Name Lighthouse, denn der Glaube soll allen Verlorenen Seelen als Leuchtturm in der Finsternis dienen. Ziel ist die Wiedermissionierung Europas: „The spiritually alive sections of the world have shifted from Europe to the poorer and more deprived parts of the world. Today, Europe is the seat of Satan, with most people of the continent being atheist or non-believers. There is now a great need for us to reach out to such parts of the world. […] It looks as through the responsibility of spreading the Gospel has shift from Whites to men of colour.” (Vgl. Dag Heward-Mills: Win the Lost at any cost, Perchment House 2001, S. 52).
Leben wäre nur halb so spannend, wenn man sich nicht auf Neues einlassen kann. Daher gingen Robin und ich gestern in die Freitagabendmesse. Eigentlich traue ich mich gar nicht die Geschehnisse niederzuschreiben, da ich hier wirklich keine Vorurteile erschaffen will, aber es war so prägend, dass ich es einfach mitteilen muss.

Die Messe sollte eigentlich um 19.00 Uhr beginnen und eine Stunde dauern. Da wir gerade als wir gehen wollten von Madame Sey noch zum Fufu eingeladen wurden, waren wir erst kurz vor acht da. Überraschenderweise waren wir die ersten, denn es hatte noch gar nicht angefangen. Die „Kirche“ oder besser Gemeindehaus – da es nicht mit meiner Vorstellung von Kirche konform geht – war eine Bretterhütte mit Wellblechdach, die kaum größer als mein erstes WG-Zimmer war. Vorne stand ein kleines Rednerpult in der Mitte, rechts eine übergroße, alte Box und links ein Keyboard und zwei Trommeln. Wir wurden wahnsinnig freundlich begrüßt und dann auf zwei der ca. 30 Plastegartenstühle platziert. Wir saßen also direkt an der Tür, weshalb ziemlich schnell eine riesen Traube von Kindern um die Kirche stand und uns beobachtete. Dann ging es los:

Brother Kingsley und Isaac schnappten sich die Mikrofone und summten, schrien, ´sangen‘. Und jetzt stelle man sich einen Polly Pocket großen Raum vor, in  dem man lediglich 2 Meter von dem Redner getrennt sein kann und dann kann man mein Gefühl, das ich hatte, sehr leicht erraten, als das ohnehin ohrenbetäubende Geschrei durch eine riesige, übersteuerte und total kratzende Box in einer Lautstärke, die man wahrscheinlich auch noch in der Schweiz hörte, denn da gibt es das Lighthouse auch, an meine scheuen Ohren drang. In diesen Krach stimmten noch Gemeindemitglieder ein, die nach einer nicht erkennbaren Rhythmik schreiende, herauspressende Laute von sich gaben, oder unkontrolliert Tasten des Keyboards drückten, bzw. manchmal konnte man die Tonleiter erklingen hören. Die Tatsache, dass irgendetwas nicht mit dem Lautsprecher funktionierte und daher ständig die kratzenden Stimmen unterbrochen und durch ein lautes Rauschen abgelöst wurden, ließ mich noch mehr an der Seriosität der Veranstaltung zweifeln. Selbst wenn ich geschrien habe, konnte mich Robin, der direkt neben mir saß, nicht verstehen. Als wenn das nicht schon als Tageserfahrung reichen würde, multiplizierte sich die Kuriosität der Veranstaltung durch den Ablauf und Inhalt der Messe, denn das war erst der Anfang.
Sechzig Minuten sollte die Freitagabendmesse dauern. Die ersten 15 Minuten wurden mit der eben beschriebenen Szenerie ausgefüllt. Nachdem die eben erläuterte Aufwärmphase beendet wurde, folgte der erste Teil der Predigt, der von Brother Kingsley gehalten wurde und 4 Minuten dauerte. Genau wie zuvor fiel das Mikro, denn er konnte ja seine Rede nicht normal halten, denn dann hätten ihn die Menschen des ganzen Umkreises nicht hören können, permanent aus. Er musste sich deshalb selbst unterbrechen und wirkte ziemlich an genervt. Aufgrund der bisherigen Szenerie saß ich auf meinen kleinen Plastestuhl und schmunzelte ein wenig in mich hinein. So leid es mir wirklich tat, konnte ich mir jedoch ein Lachen bei dem darauffolgenden 30-minütigen musikalischen Programm nicht verkneifen. Die beiden Brothers stimmten wieder ein, doch diesmal durfte jeder mitmachen. Also schnappte sich jeder der 8 anwesenden Gemeindemitglieder irgendein Instrument (Pakaschen, Trommeln, Keyboard) oder Mikro und stimmte sich mit eigenen Gesängen und Schreien ein. Alles wurde durch Tanzen begleitet. Den Rhythmus konnte man jedoch nur durch einen kleinen ca. 5-jährigen Jungen finden, der auf zwei Trommeln in solch einer Genauigkeit und Perfektion spielte, dass einem die Kinnlade runter gefallen ist. Leider wurden diese beeindruckenden Klänge durch die Schreie, Rufe, technische Fehler, etc. permanent überlagert. Ein ganz kleiner, süßer Junge, der zuerst noch von seiner Mum auf den Rücken getragen wurde, erforschte nun die Welt. Er hatte gerade erst Laufen gelernt und wackelte unsicher aber sehr zielstrebig durch die tanzende, ekstasierte Menge hindurch direkt zu den Trommeln, an denen er sich dann fest hielt bzw. selber an den Trommelkörper trommelte. Er war so niedlich und bildete mit seiner ruhigen Erscheinung ein komplettes Gegenbild.
Während der bereits vergangenen Messe, sammelten sich immer mehr Kinder am Eingang des Gemeindehauses, denn in Nyakrom sind wir mit unserer weißen Hautfarbe ein seltener Anblick. Die Anzahl der Kinder, die uns mit interessierten Blicken verfolgten, erreichte ein Optimum von 40 und mehr, als wir uns in das Programm einbringen sollten, d.h. auch tanzen, singen oder ein Instrument spielen. Tja, gesagt getan: wir haben uns voll zum Klaus gemacht. Alles schien so surreal zu sein bzw. ist es auch jetzt noch für mich. Irgendwann nahm dann die Einlage sein Ende und man saß wieder auf den Stühlen. Jetzt folgte eine ca. 10-minütige Predigt von Brother Isaac. Diesen Part fand ich sehr spannend, denn sie erfolgte in Twi oder Fanti – da bin ich mir nicht so sicher. Ich konnte also keines seiner Worte verstehen, jedoch erfolgt Kommunikation nicht nur durch das verstandene Wort. Die Sprachunwissenheit gab mir die Möglichkeit, mich auf Pragmatik, Akustik und non-verbale Kommunikation zu konzentrieren. Brother Isaac, ein schmaler, junger Mann, der einen halben Kopf kleiner ist als ich und mir gegenüber immer sehr zurückhaltend war und dessen englische Worte immer sehr leise an mein Ohr treffen, tigerte nun, das Mikro in der Hand haltend im vorderen Bereich des Gemeindehauses rum. Die weichen Gesichtszüge verschwanden und ungehalten, wild gestikulierend schrie er seine Predigt ins Mikrofon. Zwischendurch hörte man gelegentlich ein paar Leute jubeln. Alle 20 Sekunden ertönte von ihm ein „Halleluja“, was die Menge kopfnickend mit einem lauten „Armen“ kommentierte. Ich fragte Brother Kingsley, was denn der Inhalt der Rede sei und er übersetzte mir, dass erst wenn man sich Gott völlig hingegeben hat, man sich auch selbst genießen kann. Auf die Frage was noch gesagt wird, wiederholte er seine Übersetzung nur.

Endlich fand das Spektakel ein Ende und ich fühlte mich erlöst. Ein paar Mädchen stürmten noch zu mir und händeschüttelnd unterhielten wir uns noch und tauschten wie üblich Nummern aus.
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis mein Gehör sich wieder erholte. Nachdem Robin und ich die Impressionen ein wenig verdauten und zu reflektieren begannen, wurde ich von ein paar Kindern zum Zuckerrohrkauen eingeladen, was mich die kuriosen Geschehnisse vergessen ließ und mich in die Realität zurück holte: Ich bin genau da, wo ich auch sein will!

Freitag, 2. September 2011

Ihr Name ist Ottilie

Der Tag von dem ich berichten will, begann nicht sehr außergewöhnlich, außer, dass ich unglaublich müde war, da ich die Nacht nicht schlafen konnte. Daher kenne ich jetzt die ghanaischen Schafe mit Namen und ihren persönlichen Daten, sowie die Anzahl der kleinen Löcher meines Moskitonetzes. Tagsüber wurde dann das ein oder andere gelesen und ich versuchte mich ein wenig in Twi. Erst der späte Nachmittag bzw. Abend wurde dann richtig interessant.

Nach einer Hitzewelle, die überraschend Nyakrom gegen die Mittagszeit erreichte, gingen Robin und ich in die Stadt, mit dem Ziel eine Frau namens Ottilie zu treffen. Sie ist eine deutsche Rentnerin, die seit 8 Jahren hier in Nyakrom, jedoch abseits der Stadt lebt. Mit Hilfe ihrer kleinen Rente baut sie hier ein Projekt für die Kinder nach dem anderen auf. Begonnen hat alles mit einem Projekt der deutschen Regierung für schwer erziehbare Jugendliche, was zwar erfolgreich war, dessen Förderung jedoch eingestellt wurde. Sie arbeitete früher im Max Planck Institut und sagte mir, sie habe sich dazu entschlossen nach Ghana zu gehen, um irgendetwas Sinnvolles in ihrem Leben zu machen. Zwar halte ich ihre da vorige Tätigkeit für sehr wichtig, jedoch muss ich zugeben, dass ihre nachhaltigen Projekte hier wirklich etwas bewegen: etwas, dass man sehen, anfassen und erleben kann.

Nachdem das Projekt für die schwer erziehbaren Jungendlichen eingestellt wurde, suchte sie nach weiteren Möglichkeiten etwas in ihrem Umfeld zu leisten. Sie mietete ein großes Grundstück mit zwei Gebäudekomplexen am Nyakromer Stadtrand, und verwandelte diese Fläche in ein wahres Paradies. In dem einen Gebäude befinden sich nun ein Klassenzimmer und mehrere Schlafräume, in denen sie Kinder bzw. Jugendliche wohnen lässt. Das andere Haus ist ihre Wohnfläche, wobei diese auch von allen anderen genutzt wird und ringsherum ist sehr viel wunderschön gepflegter Garten. Da das ghanaische Schulsystem nicht so etwas wie Arbeitsgemeinschaften kennt und die jüngeren Schüler mit der Schule gegen Mittag fertig sind, wollte sie gerne einen kreativen und praktischen Raum schaffen, in denen die Kinder Hobbys entdecken, künstlerisch und sportlich tätig sein oder einfach mal nur Kind sein und ausgelassen im Garten rumtoben können. Da ihr auffiel, dass viele der Kinder, wenn sie bei ihr ankamen, den Tag immer noch nichts gegessen hatten, versorgt sie auch vor Beginn eines jeden Nachmittags ihre Sprösslinge (pro Woche ca. 300) mit einer ordentlichen Mahlzeit.

Als ich sie traf werkelte sie gerade in einem ihrer neuen Projekte. Selbstbewusst und taff erzählte sie von einer Berufsschule für Mädchen, die gerade entsteht. Darüber hinaus sind gerade zwei weitere große Gebäudekomplexe auf einem weiteren Grundstück in Bau, in denen eine Civoleé Schule entstehen soll. Sie hat zwar mittlerweile Unterstützung bekommen, doch generell managet und finanziert sie alles selbst. Ihr einziger Wunsch gilt der Nachhaltigkeit der Projekte und ihr Fortbestand, wenn sie sich mal nicht mehr um sie kümmern kann.

Wenn wir jetzt öfter abends gemeinsam im Garten sitzen erzählt sie mir von dem langen und sowohl schönen, als auch schweren Weg, den sie bereits gegangen ist, denn nicht immer war es leicht, den nötigen Respekt und die erforderliche Anerkennung zu bekommen oder gegen aufkommende Hürden und in den Weg gelegte Steine anzukommen. Doch trotz gelegentlicher Bedenken ist sie dennoch froh, diesen Weg gegangen zu sein und hier mit den Kindern in einem kleinen geschaffenen Paradies zu leben.

Ab den ersten Moment unserer Begegnung war ich von ihr als Person begeistert und von ihrer Stärke beeindruckt. Es ist wunderschön zu sehen, dass es Menschen gibt, die für andere einstehen und sich dafür selber zurück nehmen. Ich hab die Ehre, ihr jetzt auch helfen zu können. Zwar ist es nicht die NGO für die ich hier arbeiten soll, aber der Tag hat genug Stunden, um beides unter einem Hut zu bekommen. Mein erster Schritt ist nun nachmittags in einer AG und wenn die Berufsschule öffnet  auch in ihr Französisch zu unterrichten. Ich freu mich schon sehr darauf: Es ist eine Chance zu lernen!

Dienstag, 30. August 2011

Spiel mir das Lied vom Tod


Ich hab lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben soll. Würde er nicht vielleicht ein Vorurteil in den Köpfen der Leser bestätigen? Ja bestimmt, aber das soll er nicht!!! Es ist eine witzige Geschichte, die mich eine Weile beschäftigte und die sich an jedem Ort der Welt abspielen könnte und es wahrscheinlich auch tut – ausgenommen der Arktis. Also erfreut euch an der Story und bitte vergesst nicht, ich schreibe gern witzig, das heißt mit kleinen und größeren Übertreibungen und es ist mal wieder eine Single Story!

Als Robin und ich hier in Nyakrom ankamen fragte er mich, ob ich denn vor irgendetwas Angst hätte. Selbstverständlich nicht – dachte ich zu dem Zeitpunkt zumindest. Zu unserer Unterkunft gehört eine große, geräumige Küche, die allerdings schon mehrere Jahre nicht mehr benutzt wurde. Am ersten Wochenende was wir hier verbrachten, war die Familie Sey zu einer Hochzeit eingeladen und daher nicht im Haus. Neugierig und umgestaltungswütig wie ich nun einmal bin, nutzte ich die Gelegenheit, um mich in der Küche zu Recht zu finden. Als ich in die Schränke schaute und Kartons mit brauchbarem Inhalt fand, wollte ich ein bisschen sortieren und alles griffbereiter hinstellen. Beim Ausräumen des Geschirrs, insbesondere der Gläser, viel mir aber auf, dass diese wie bei einem typischen, mir bekannten Frühjahrsputz im Gartenhäuschen aussahen. „Naja, dann spülst du die mal schnell ab und erledigt.“, dachte ich mir. Nicht ganz. Als ich den ersten Karton aus dem Schrank nahm, krabbelte eine verschreckte Kakerlake unkontrolliert auf mich zu. Abgesehen davon, dass ich barfuß war und sich in Zehntelsekunden die Vorstellung in mir etablierte, ich könnte auf sie treten und was das dann für ein ekelhaftes Gefühl und Geräusch wäre, da sie bereits eine Horrorgröße von mindestens 4cm angenommen hatte, ließ mich ihre bloße Erscheinung zum quieken und davon laufen bringen.

Hallo, mein Name ist Bianca und ich habe Angst vor Kakerlaken.
Schreiend rannt ich also zu Robin, der gar nicht wusste wie ihm geschah, als ich schweißgebadet an seine Tür hämmerte. Er, der starke Mann, musste nun seine Rolle als Beschützer wahrnehmen und das kleine Tierchen, welches er sehr interessant fand, aber mir wie in King Kong Größe erschien, entfernen. Ich wollte zwar nicht, dass es in der Küche ist, aber totgemacht sollte es auch nicht werden. Daher entschieden wir es einzufangen oder besser ich entschied das Robin es einfängt, während ich einen ausreichenden Sicherheitsabstand von 150m einnahm. Im Glas sah das Tierchen wirklich sehr spannend aus, aber wahrscheinlich auch nur, weil ich wusste, dass es so nicht das gleiche tut, wie in meinen Alpträumen und zwar mir spontan ins Gesicht zu springen.

„Ignorance is a bless!“ Ein wahrer Spruch aus der Matrix! Hätte ich das erste Tierchen niemals gesehen, wäre mir alles egal gewesen. Da sich meine Unwissenheit jedoch innerhalb kürzester Zeit in eine Riesenkakerlake verwandelte, konnte ich nicht anders, als alles auszuräumen, auszuwischen, zu spülen und zu sortieren. Da sich mein Weg gleich zu Beginn beim Auspacken des ersten Kartons wieder mit einem Tierchen kreuzte, beauftragte ich Robin auszuräumen.
Während in meinem Kopf die Dornenbuschballen im Rhythmus des Windes durch die leeren, staubigen Straßen der Wohnung rollten, aus der Ferne das Lied vom Tod gespielt wurde und die Augen vor Anspannung zusammengekniffen von rechts nach links schnellten, spuckte Robin den Kautabak herausfordernd aus und zückte heldenhaft wie John Wayne seine Colts namens Schuh und Zeitung, um den Schurken todesmutig ins Anglitz zu blicken. Als die Waffen knallten, musste nur noch die Schweinerei, die das Duell hinterließ beseitigt werden. Das ganze Spektakel dauerte ca. 5 Stunden und alles was übrig blieb war Schall und Rauch. Unser verursachtes Chaos wurde behoben und ich gehe jetzt unglaublich gerne in die Küche und koche.

Hallo, mein Name ist Bianca und ja, ich habe Angst vor allen größeren Insekten, die unkontrolliert in meine Nähe kommen.

Montag, 29. August 2011

Omo, Handys und andere Besonderheiten


Heute musste ich der harten Realität ins Auge sehen: Ich bin aus Zucker. Da die Bezeichnung Kläckerspatz für mich noch milde ausgedrückt ist, ließ es sich heute leider nicht vermeiden Unmengen an Klamotten zu waschen. Also, los geht’s! Ich nahm zwei Schüsseln. In die eine schüttete ich Omo – eine afrikanische Chemiekeule, die wahrscheinlich auch die schwarzen Flecken aus dem Fell des Dalmatiners herausbekommen würde – und in die andere Wasser, um das Zeug wieder aus der Kleidung zu bekommen. Möge das Spektakel beginnen: Ich schruppte, schruppte und schruppte. Das Ergebnis dieser Aktion ist beschämend! Die Kleidung - nicht wirklich sauber, dafür fehlt mir die oberste Hautschicht. Auch wenn Omo oder besser gesagt meine Anwendungsweise des „Wundermittelchens“ nicht die Flecken heraus bekam, so schaffte es tatsächlich meine Finger zum bluten zu bringen, da einfach die Haut weggeätzt wurde. Ein paar Stunden später hab ich mir deshalb einfach mal gleich die dicksten Spühlhandschuhe gekauft, die ich finden konnte. Dieses Erlebnis ließ mich mal wieder an mir zweifeln. Wie zum Geier schaffen es die ghanaischen Frauen die Kleidung wieder strahlend weiß bzw. leuchtend zu bekommen und trotz des handschuhfreien Schrubbens intakte Hautschichten zu besitzen? Bewundernswert!

Als ich vorhin in Swedru war, um mir die Handschuhe zuzulegen, unterhielt ich mich kurz mit einem schätzungsweise 10-jährigen Jungen namens Mohammed. Nach dem üblichen Austausch über das jeweilige Befinden, fragte er mich nach meiner Handynummer, nannte mir seine und meinte, immer wenn ich in Swedru sei, dann solle ich ihn anrufen, da er sich ja dort auskenne und mir jederzeit, wenn ich was suche, helfen könnte. Eine ganz normale Szene hier! Wer Ghana mit einem postkolonialistischen Mitleidsblick unter dem Aspekt eines „Drittenweltlandes“ betrachtet, der irrt. Natürlich gibt es große Unterschiede, vor allem im Bereich der Städteplanung und allem was dazu gehört, aber Ghana ist wie ein Schmetterling, der gerade dabei ist sich zu entpuppen. Jeder ist mobil erreichbar und man kann hier alles bekommen, was man sich nur vorstellen kann. Die Handyetablierung hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass das Land den Schritt zum Festnetz einfach übersprungen hat, denn dieses gibt es hier eigentlich gar nicht. Deshalb ist eine Verbindung zur Heimat via Internet auch nur durch einen – zumeist nur spärlich funktionierenden – Stick möglich, der im Vergleich zu Deutschland unglaublich teuer ist. Das Telefonieren ist dafür umso billiger! Daher ist es nicht wunderlich, dass die Ghanaer eine ausgeprägte Gesprächskultur entwickelten. Man tauscht hier die Nummern genauso großzügig wie ein Lächeln. Jeder hat die Nummer von jedem. Die Handys bimmeln ununterbrochen. Während wir Deutschen eine Nummer mit einer ganz bestimmten Intention wählen, so machen das die Leute hier aus dem Grund, um einfach mal kurz zu erfahren, wie es dir geht. Ein kurzer Wortwechsel um die Bekanntschaft nicht einschlafen zu lassen und dann wird wieder aufgelegt. Ganz nach dem Motto: Kleine Gespräche erhalten die Freundschaft.

Die Freundschaft lässt sich hier aber auch noch ganz anders erhalten: „I love the ghanaian food!“ So erhält man auf schnellstem Wege nicht nur ein freundliches Lächeln, sondern hat den Auftakt zu einer netten Konversation gemacht. Das Essen ist hier sehr lecker, auch wenn nicht so abwechslungsreich wie in Deutschland. Die Mahlzeit besteht zumeist aus Massen von Kohlenhydraten, die gechopt werde. Alle die mit dem Wort nichts anfangen können: Mit den Fingern der rechten Hand kleine Bällchen formen und dann einfach schlucken. Dies macht man zumeist mit Fufu, der zwar zumeist hier aus der Maniok-Wurzel besteht, aber auch des Öfteren aus Yams, Plantains (Kochbanannen), Mais oder anderen stärkehaltigen Dingen gemacht wird. Das ganze wird dann in variierende Soßen getunkt. In den Städten findet man daher auch zahlreiche Chop Bars. So gern ich Fufu hier auch esse, ist mir die Konsistenz des ganzen doch noch ein bisschen fremd. Am liebsten esse ich hier einfach gekochte Yams oder Plantains und die am liebsten mit einem Gemüse, dass aussieht wie Rhabarber, schmeckt wie eine leckere Mischung aus Grünkohl und Mangold und dessen Namen ich gerne nennen möchte, aber permanent vergesse. Ebenso ergeht es mir mit einem anderem Essen, dass ich hier sehr mag: gesprochen wird es Keekee. Die in Maisblätter eingewickelte Masse, ähnelt vom Geschmack unserem deutschen Mischbrot oder besser dem Sauerteig. Diese wird dann mit einer feurigen roten Pfeffersoße serviert. Zu den Meisten großen Mahlzeiten wird dann getrockneter Fisch oder frittiertes Hühnchen gereicht. Überall findet man auch Frauen, die eine Art Kuchen oder gefüllte Teigtaschen verkaufen. Ich habe sie noch nicht probiert, jedoch gehört, dass man zu ihnen sehr viel Flüssigkeit benötigt, um sie unterschlucken zu können. Wenn ich jedoch ehrlich bin, dann ernähre ich mich –wenn ich selber koche – hauptsächlich von Reis. Der geht schnell und einfach, denn Fufu zumachen, ist eine mehrstündige Angelegenheit (die ich aber wahrscheinlich in den nächsten Tagen lernen werde ;-) ). Ansonsten ziehe ich es vor mich hauptsächlich von Obst zu ernähren, denn das ist hier zum Sterben gut. Süß, saftig und lecker. Von wegen „peel it, cook it or forget it“! Meinem Magen ging es noch nie besser. Auch auf Eis und Salat reagierte meine resistente Verdauungsmaschine mit einem „ätschibätsch“. Leider kommt der hier viel zu kurz, da er selten und teuer ist, was mich ihn sehr vermissen lässt! Aber was solls, nach dem Jahr kann ich ja immer noch zum Wiederkäuer mutieren.  *lol*

So… jetzt nur noch schnell das letzte Stück Ananas verspeisen, Hände mit Bepanthen einschmieren, Handy aus und ab ins Nest! Gute Nacht!