Donnerstag, 12. Januar 2012

.Meine Zauberbohnen - Und ich wachse und wachse


Gerade mache ich eine Mittagspause im Youth and Environment Office, höre Thurston Harris mit Little Bittle Pretty, wippe mit den Beinen im Rhythmus und strahle übers ganze Gesicht. Wer hätte gedacht, dass hier im Herzen Ghanas irgendwann mal ein Obroni-Mädchen zwischen Palmen und Häusern zu 50er Jahre Musik abdancet? Ich jedenfalls nicht, aber hier sind schon so viele Dinge passiert, dich ich in den letzten Jahren noch unter - Sehr schwer vorstellbar – eingeordnet hätte.

Alles begann schon während Ende des Studiums mit einer Veränderung in mir, die alles ins Rollen brachte. Zuerst mussten die langen Haare ab, um auch der Außenwelt kenntlich zu machen: Da ist was passiert – vor euch steht nicht mehr die kleine Anci, die vor kurzem noch die Zuckertüte oder das erste Mal ihren eigenen Führerschein in der Hand hatte. Sie hatte in den letzten Jahren wohl eher Zettel und Stift zwischen den Fingern, um sich gemachte Fehler zu notieren, sie zu reflektieren, nicht mehr zu wiederholen und daran zu wachsen. Doch mit der zunehmenden Beantwortung der Frage, wo komm ich gerade her, eröffnete sich zwangsläufig die nächste: wo will ich hin? Lange zurückgestellte Sehnsüchte und Bedürfnisse brachen so wieder in die Fassbarkeit des Bewusstseins und wurden mit jedem weiteren Tag präsenter. So kam es wie es kommen musste, mit dem Staatsexamen in der Hand packte ich meinen Rucksack und machte mich auf, den Horizont unter dem ich lebe zu ergründeln. 800km zu Fuß durch Spanien brachten mir dann Klarheit: Ich hab Fernweh und der Horizont, den ich momentan noch den meinen nenne, erdrückt mich. 

Was nützen einen Erkenntnisse, wenn man es nicht vermag sie zu verwirklichen? Also nicht gezögert, sondern gehandelt! Kaum richtig zu Hause, ging es wieder auf den Weg durch dieses und jenes europäisches Land, um dann, schlussendlich im August den Flieger gen Abenteuer zu nehmen.

Abenteuer daher, weil ich noch keine genau Vorstellung von dem hatte, was mich hier erwartet.
Abenteuer daher, weil es eine Möglichkeit ist zu schauen, was einem im Leben wichtig ist und was nicht.
Abenteuer daher, weil ich hier in der Fremde die Chance habe, genauer zu herauszufinden, wer und wie ich genau bin.

Die ersten drei Monate war das Zusammenleben hier eine große Herausforderung, da sich kein kleiner gemeinsamer Nenner finden lassen konnte, den ich mit der Familie gemein hatte. Doch während ich am Anfang noch meinem alten Muster des Akzeptierens folgte, wuchs ich proportional mit den sich häufenden Problemen, so dass ich die Stärke fand, nicht die Probleme zu Fokussieren, sondern Lösungsmöglichkeiten. Ich schrieb Mails, organisierte, hatte Gespräche und letzten Endes konnte ich ohne große Probleme ausziehen. Ein Schritt, der nicht anders zu benennen ist als mit: Der einzig Richtige. So fand ich eine Freundin, Vertraute und lebe in einer Deutsch-Ghanaischen Traum-WG in der ich ein Teil des Lebens bin und nicht weiterhin isoliert.

Prägend war auf jeden Fall auch meine Schulerlebnisse hier. Mal abgesehen von den Fächern die ich Unterrichtete, war das Schulgeschehen als solches sehr kontrovers. Auf der einen Seite standen die Kinder, mit denen die Arbeit wirklich viel Spaß machte, bei denen man jedoch lernen musste, sich nicht auffressen zu lassen, da sie manchmal regelrecht ausgehungert vor Liebe waren. Auf der anderen Seite standen das Bildungssystem, das Schulgeschehen und die Bestrafungshandhabung an meiner Schule, das nicht in meinen Kopf wollte und schon gar nicht beim Anblick dieser kleinen Wesen. Doch wie geht man damit als Ausländer bzw. Gast in einem fremden Land um, ohne respektlos zu wirken? Schlaflose Nächte, ruhelose Tage, Lösungsvorschläge, die nicht anerkannt wurden… Flucht nach vorne. Ich wusste nun also, dass es nicht richtig geduldet wurde, wenn ich einen anderen Unterricht machte und da ich es einfach nicht mehr ertragen hab, habe ich dafür gekämpft in einem Arbeitsplatz und Raum zu wirken bzw. mir selber zu schaffen, der die Rechte des Kindes in Ehren hält. Und so bin ich sowohl zum Youth and Environment Club, als auch zu ChiFuLi und zur High and Vocational School gekommen. 

Ghana heißt Entwicklung, nicht nur dass sich das Land immer mehr entwickelt und die Menschen, die in diesem Leben, sondern auch ich. Ich lerne hier immer mehr mich durchzusetzen, den Mund in den richtigen Momenten aufzubekommen und für das zu kämpfen, was mir wichtig ist! Ich bin ein Wesen zweier Welten geworden, in denen ich mich wohl fühle und zunehmend frei und sicher bewegen kann.
Ghana ist meine Zauberbohne an der ich wachse.

Dienstag, 10. Januar 2012

Der Youth and Environment Club Ghana – Selfproduction


Wie man bereits aus meinen bisherigen Posts herauslesen konnte, war das Projekt, in dem ich hier arbeiten sollte, nicht ganz so, wie ich es mir vorstellte.  Baumpflanzungen und andere Projekte wurden zwar nach und nach durchgeführt, jedoch ging das Programm nicht so schnell voran, wie man es in der Umsetzung aus Deutschland gewohnt ist.  Vor allem der Mangel an bezahltem Personal und Materialmitteln ließen die Umsetzung zunehmend verlangsamen. So kam es, dass ich zu Beginn zu erst in ein paar Schulen arbeitete, da ich im Nyakrom in einem Bürogebäude stand, dass bis auf einen Schreibtisch, auf welchem zahlreiche Akten gestapelt waren und einen Computer, leer war. Aber hey, das Glas ist halb voll und für mich stellte diese Situation eine perfekte Gelegenheit dar, meine Ideen kreativ und auf direktem Wege umzusetzen. Also… selbst ist die Frau und Ärmel hochkrempeln!

Ein Umsetzungsplan für Verwaltung und Organisation der nächsten Schritte und Projekte war schnell geschrieben und so machte ich mich daran, die zwei mal vier Wände nach einem Büro mit Seminarraum aussehen zu lassen. Aus Deutschland hatte ich zum Glück einige nützliche Dinge dabei. Die Tier- und Naturapothekenposter wurden aufgehangen, Handtücher, Seife, Waschschüsseln integriert und Arbeitsmaterialien wie Buntstifte, Schere, Kuli, Papier, etc. organisiert. Aufgrund einiger Sachspenden von Ravensburger, konnte ich sogar eine kleine Spielecke einrichten, in der die Kinder nach Schulende auch einfach mal nur Spaß haben können. Das einzige was jetz noch fehlt ist ein Seminartisch oder irgendwas auf dem man arbeiten bzw. eine Unterlage, auf der man sitzen und spielen kann. Aber die Not macht erfinderisch, so dass ich auch bezüglich der Lösung dieses Problems sehr zuversichtlich bin.

Die nächsten Schritte haben auch schon längst begonnen. Ziel des Clubs ist es ja nicht nur eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung zu sein, sondern im Bildungssektor im Bereich Umweltarbeit tätig zu werden. Die unterschiedlichen Themenschwerpunkte werden aktuell ausgearbeitet und so werden demnächst nicht nur im Club Workshops durchgeführt, sondern der Weg führt mich direkt in die einzelnen, unterschiedlichen Schulen in der Umgebung.

Wenn ich mich nun hier im Büro umsehe, vorausgesetzt man lässt die deutschen Vorstellungen eines Büros mal außer Acht, dann bin ich ganz schön stolz, was man so ohne Geld aus dem Boden stampfen kann.   :-)

Freitag, 6. Januar 2012

Wer Liebe schenkt wird nicht ärmer, sondern reicher – Ein pädagogisches Projekt mit Herz


Im Leben begegnet man vielen Menschen, doch einige sind so besonders, dass sie aus der Menge hervorstechen und die man binnen kürzester Zeit ins Herz schließt, einen prägen und die man nie vergessen wird. Ich begegnete so einem Menschen in Ghana.

Kurze Zeit nachdem ich in dem ghanaischen Farmerdorf Nyakrom ankam, wurde ich gefragt, ob ich die Tochter von Mami sei. Als ich diese Frage immer häufiger hörte, entschloss ich mich diese anscheinend besondere Frau aufzusuchen, um die Bedeutung ihres Spitznamens zu ergründen. Ich musste gar nicht lange suchen bis ich zu einem großen Schild kam, an welchem Ottilie Ross Senior High & Vocational School stand und mich ein freundliches Gesicht anstrahlte, mich willkommen hieß und mich kurzer Hand zum Essen und gleichzeitig in ihr Leben einlud.
Die 67-jährige Göttingerin erzählte mir, dass sie bereits seit fast 9 Jahren in Nyakrom lebt. 2003 entschloss sich die gelernte Chemielaborantin, die am Max-Planck-Institut und an der Göttinger Universität in der Mikrobiologie und Hygieneforschung arbeitete, die Frühpensionierung zu beantragen, um hier in Ghana als Individualpädagogin zu arbeiten. Begonnen hat ihre Tätigkeit mit der Zusammenarbeit mit dem deutschen Jugendamt, um schwer erziehbare Jugendliche durch Intensivbetreuung und den kulturellen Austausch wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Doch zunehmend stellte sie fest, dass auch die Kinder vor Ort von einer besonderen Fürsorge profitieren würden. Aus diesem Gedanken entstand 2005 die NGO Obronikrom (Zusammenkunft der weißen Menschen), doch mit zunehmender Zeit und des interkulturellen Lernens entwickelte sich ihr Fokus und sie entschloss sich 2008 den Namen in ChiFuLi – Children - Future - Life zu ändern. In diesem Projekt wollte sie den Kindern die Möglichkeit geben, ihre Zukunft zu visionieren und durch die Förderung von Lesen, Schreiben und logischen und praktischen Denk- und Handlungsvorgängen bei den Schülern und Schülerinnen Grundlagen zu festigen und somit Zukunftsperspektiven zu offerieren. Wichtig dabei war ihr durch kreatives Arbeiten selbstständiges und langfristiges Denken auszubauen und durch Liebe und Verständnis ein Exempel zu statuieren, dass Erziehung und Bildung auch ohne physische Sanktionierung möglich ist. Diese Ziele versucht sie durch Einzel- und Förderunterricht in den unterschiedlichen Schulfächern und den zahlreichen Kreativtätigkeiten wie Basteln, Malen, Nadel- und Holzarbeit, aber auch Spiele und Hausaufgabenhilfe zu verwirklichen. Hinzukommend ermöglicht sie, dass der ausschließlich theoretischen ICT-Unterricht (Information-Communication-Technology) – da keine Computer in den Schulen zur Verfügung stehen – auch in der Praxis durchgeführt werden kann. Selbst nach Sonnenuntergang werden die Tore nicht verschlossen, da um diese Zeit auch noch Jugendliche kommen, um zu lesen oder zu lernen, da es in vielen Haushalten kein Licht gibt. Somit ist das ChiFuLi nicht nur Lern- und Zufluchtsort, sondern Tag für Tag, insbesondere beim jährlichen Fire-Side-Kinderfest, ein Raum, in welchem die Kinder und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.
Da Ottilie schon bei dem Aufbau des Projekts feststellte, dass die meisten Kinder wenn sie nachmittags zum Unterricht kommen, noch nichts gegessen haben, führte sie eine kostenfreie Verpflegung für alle ein. Finanzieren tut sie dies durch die Investition ihrer gesamten Rente, der Wiedernutzung gebrauchter Materialien und einiger Spenden. Ihr starker Wille und ihr großes Herz haben zu dem Erfolg dieses Kinderprojekts geführt, so dass sie mittlerweile 6 Lehrer beschäftigen kann, die 200 Kinder betreuen. Doch diese Frau steckt so voll Energie, dass aktuell der Ausbau des ChiFuLi’s in vollen Zügen läuft. Es wird ein weiteres Gebäude gebaut, da die Lehrräume derweil nicht mehr ausreichen. Probleme wie ein fehlender Wasser- und Stromanschluss des neuen Hauses, sowie der Diebstahl von Materialien und das nur sehr langsam voranschreitende Baugeschehen lassen sie aber nicht aufgeben, so dass aktuell weitere Ergänzungsprojekte geplant sind. So soll in dem neuen Haus eine Erste Hilfe, Unfall und Malaria Versorgung, sowie eine Hygiene-Gesundheitsberatung aufgebaut werden, da die nächste medizinische Versorgungsmöglichkeit sehr weit entfernt ist. Auch plant sie das Lernprogramm auch im Bereich der Kindergartenfürsorge zu etablieren, da die Kinder die fernab der Stadt leben zumeist keine Betreuungsmöglichkeit erhalten können, sowie die Zusammenarbeit mit dem Youth and Environment Club der Göttinger NGO Schulwälder für Westafrika, um auch in ihrem Projekt dem Umweltschutz zu avancieren.
Für manche wäre dies mehr als eine Lebensaufgabe, aber nicht für Ottilie Ross, weshalb sie neben dem ChiFuLi seit 2005 die Eröffnung einer Berufsschule für Mädchen plant. 2010 nahm dieser Traum durch eine größere Spende dann endlich konkretere Gestalt an und seit Oktober 2011 können 36 Schülerinnen die Ottilie Ross Senior High and Vocational School besuchen, in denen von 10 Lehrern nicht nur die regulären Fächer, sondern auch die Tätigkeit der Köchin, Schneiderin und Friseurin, nach dem Motto Creativity is our Pride (Kreativität ist unser Stolz), unterrichtet werden. Zusätzlich ermöglicht sie den Schülerinnen als erste Berufsschule durch den angebotenen Französischunterricht sich neue Zukunftswege zu erschließen. Momentan sind in dem Startprogramm nur 6 Schülerinnen eingeschrieben, jedoch wächst die Nachfrage und sie hofft bei steigender Schülerzahl den Lehrern mehr als nur den staatlich vorgeschriebenen Gehalt von umgerechnet 25€ pro Monat bezahlen zu können. Mit dieser Berufsschule versucht sie nicht nur jungen Mädchen – auch ohne Schulabschluss – Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, sondern auch den Lehrern einen besseren Lebensstandart. Da ihr aber all das Engagement noch zu wenig ist, sind auch hier Projekterweiterungen geplant. So hat sie bereits ein weiteres größeres Stück Land gekauft, um auch Jungen zu einer besseren Lebensaussicht zu verhelfen und die klassischen Berufe des Tischlers und die aufstrebenden Berufe im ICT Bereich, sowie einen Sport- und Freizeitplatz anzubieten.
Die Zeit verging durch dieses interessante Gespräch mit dieser beeindruckenden Frau wie im Fluge und so war die Sonne schon seit vielen Stunden untergegangen und dennoch saßen noch einige Jugendliche gemeinsam mit uns am Tisch. Sie hatten für uns alle das typisch ghanaische Essen Fofu mit Soup gemacht und nachdem wir alle gemeinsam abwuschen, wünschten sie uns eine gute Nacht und verschwanden im Haus. Etwas verwundert fragte ich, ob sie denn bei Ottilie wohnen würden und sie erzählte mir daraufhin, dass sie 10 Kinder aus finanzschwachen Farmerfamilien unterstützt. Sie dürfen nicht nur bei ihr wohnen, sondern sie übernimmt auch die Schul- und Lehrmaterialkosten, was pro Kind ca. 100€ pro Monat sind. Da eine durchschnittliche ghanaische Familie zwischen 3 und 10 Kindern – und manchmal hinzukommend auch Pflegekinder aus der Verwandtschaft – und zumeist nur ein Gesamteinkommen von 250€ hat, ist es den meisten Eltern nicht möglich, ihren Kindern eine gute schulische Ausbildung zu finanzieren.
All dieses Engagement führte meinerseits zu der Frage, warum sie denn all das macht und mit einem freundlichen Lächeln strahlte sie mich an und sagte: „Die Kinder sind unsere Zukunft und nur durch sie kann ein Land zu mehr Selbstbewusstsein und Stärke kommen. In Deutschland wachsen wir sehr privilegiert auf und ich möchte zumindest für einen kleinen Kreis die Chancen ermöglichen, die auch ich erhielt.“
Genau wegen dieser Einstellung nennen sie die Einwohner Nyakroms nicht nur Mami, sondern haben sie durch die Chiefs in die Familie der Blauen Gruppe aufgenommen und sie als Führungsperson der selbigen gewählt. Als ghanaische Queen fungiert sie daher zusätzlich als Ansprechpartner und Sprachrohr für alle Weißen in Nyakrom.
Für mich war es so beeindruckend was eine einzelne Frau binnen 8 Jahre aufbauen kann, dass es mich mit Stolz erfüllt, Ottilie bei ihren Projekten helfen und bis Ende August 2012 bei ihr wohnen zu dürfen. Sie ist innerhalb kürzester Zeit nicht nur ein Vorbild, sondern auch eine sehr gute Freundin und auch meine Mami geworden. Doch je länger ich hier bin, desto mehr merke ich, wie sehr jeder Cent umgedreht werden muss und wie wichtig die Unterstützung durch Spenden ist, um die Zukunft der Projekte und gleichzeitig der Kinder Nyakroms zu sichern.
Da sie eine sehr stolze Frau ist und nicht selbst nach Hilfe fragen würde, versucht sie derzeit eine Nebeneinkunft durch die Vermietung der sehr schönen Gästezimmer aufzubauen, um all denjenigen einen Einblick in die Kinderarbeit vor Ort zu ermöglichen, die Lust auf einen abenteuerlichen Aktivurlaub haben oder einfach nur ein Stück vom Paradies der Menschlichkeit und Natur erleben wollen. Doch da dies aktuell erst anläuft, sind weiterhin Spenden unverzichtbar. Ich hoffe, dass Sie ebenso sehr von der Arbeit dieser Frau beeindruckt sind wie ich und sich vielleicht dazu entschließen durch eine Spende diese besonderen Projekte und das Prinzip des Altruismus zu unterstützen.
Leider ist ihre NGO nur in Ghana staatlich anerkannt, da die Anerkennung in Deutschland 10.000€ kostet und sie dieses Geld lieber den Kindern zukommen lassen will. Wer sich dazu entschließt aktiv zu werden und mitzuhelfen, hat daher zwei Möglichkeiten der Unterstützung: Eine direkte und schnelle auf:
Ottilie Ross
Kontonr:             258 502
BLZ:                       260 615 56 (Volksbank Adelebsen)

oder über eine steuerlich absetzbare Überweisung auf das Spendenkonto der Afrika AG:
Vineyard München e.V.
Kontonr:                             881 560 5
BLZ:                                       700 205 00 (Postbank München)
Verwendungszweck:    Chifuli   

Ich begegnete einem wundervollen Menschen mit Namen Ottilie Ross, die mich lehrte, wie viel man durch Liebe und Engagement erreichen kann und die ich nie wieder vergessen werde.
Kontakt unter:
Email:                   ottilieross@yahoo.de
                               http://www.youtube.com/watch?v=Ph7xs0M78No
Facebook:          ChiFuLi – Children – Future - Life

Jetzt gehts los!!


Wie wahrscheinlich schon oft festgestellt wurde, waren meine Blogeinfälle etwas sparsam ausgefallen, doch nicht weil ich euch nicht mehr Anteil an meinem Leben haben lassen wollte, sondern weil sich Geschehnisse und Veränderungen den letzten Monat mehr als nur überschlugen.
In der Vergangenheit liefen leider einige Dinge nicht ganz so wie geplant und gewünscht, weshalb ich mich nach langen überlegen dazu entschloss, nicht nur meine Wohnverhältnisse- sondern auch die Arbeitsbedingungen zu wechseln. Wie ein Geschenk war es dann für mich, dass aus der Bekanntschaft mit Ottilie nicht nur eine Freundschaft, sondern auch eine familiäre Beziehung geworden ist und ich als Mitglied in ihre große deutsch-ghanaische Familie aufgenommen wurde.
Die Sachen waren schnell gepackt und seelisch wieder fit konnte die Arbeit nun voran schreiten. Den Französischunterricht an den zwei Primary Schools und der Junior High School gab ich im Zuge meines eigentlichen Anwesenheitsgrundes – nämlich Umweltarbeit – auf. Dafür bin ich nun dabei, den Youth and Environment Club aufzubauen, Projekte zu organisieren und Ottilie bei ihrer NGO Arbeit unter die Arme zu greifen.
Jeden Tag bin ich nun mitten drin im Leben. Gäste, Freunde, Kollegen schauen vorbei, es wird gemeinsam gegessen und gelacht und Probleme schöne Erlebnisse und Probleme werden gemeinsam diskutiert. Ich finde hier jeden Tag aufs Neue meine kleine Oase. Ein Ort des kulturellen Austauschs und der Liebe.
Ich bin gespannt, was mir das Leben hier in Ghana noch bescheren wird, doch bin ich jetz sicher, dass egal was es sein wird, ich ihm mit einem Lächeln begegnen werde kann.

Mittwoch, 2. November 2011

Besuch aus Deutschland


Wow, das Leben kann so schön sein und dies vor allem im Urlaub! Vor mehr als zwei Woche war ich mal wieder in Accra, aber diesmal hatte meine Anreise einen etwas anderen Hintergrund, der auch dazu führte, dass ich mich am Freitag, den 14.Oktober 2011 um 21.45 Uhr am Flughafen meiner neuen Hauptstadt einfand. Schon relativ nervös wartete ich geschniegelt und gestriegelt und besonders hübsch gemacht in der Empfangshalle, um einen ganz besonderen Menschen hier in Ghana willkommen zu heißen.
Wie das so im Leben ist, nutzt einen der beste Plan nichts, denn das Leben kommt anders als man denkt. So geschah es auch, dass man sich ganz kurz vor einem einjährigen Auslandsaufenthalt verliebte und nun auf unterschiedlichen Kontinenten lebt. Doch um die 12 Monate nicht all zu lang werden zu lassen, hat der Oliver sein Mädchen besucht, um mit ihr das fremde, ferne Land zu entdecken.
Nachdem wir einige Tage in Accra verbrachten, ging es dann endlich mit dem Trotro los gen Central Region, sprich meine Heimat. Die Fahrt war glaube ich der erste große Kulturschock für ihn. Nicht nur, dass wir mit zwei großen Rucksäcken in einem 40 Menschen Trotro eingepfercht waren, sondern zu allem Überfluss war der Fahrer des Sammeltaxis von Swedru nach Nyakrom lebensmüde und bretterte mit gefühlten 250 km/h durch metertiefe Schlaglöcher. Naja, der erste Eindruck war dann wohl nicht der beste. Aber egal, davon lassen wir uns ja nicht den Tag vermiesen. Wir waren also endlich bei mir zu Hause und ich konnte ihm einige für mich wichtig gewordene Menschen vorstellen und ihm zeigen, wie sich hier mein Leben gestaltet. Da ich aber noch viel mit ihm vor hatte, blieben wir nur einen Tag und unsere Reise sollte uns, nach nervenaufreibendem Drängeln meiner besseren Hälfte, nun ans Meer führen.
Der erste Stop war Cape Coast. Da leider mein Lieblings Guesthouse gerade neu gemacht wird, mussten wir wo anders schlafen. Die Baracke hieß Samos und nicht die Tatsache, dass wir die ganze Zeit kein Wasser hatten, dass die Toilettentür nicht zu ging und die Türverriegelung fragwürdig erschien, sondern schlechthin, dass es einfach endlos keimig war, veranlasste uns dazu so früh wie möglich wieder dort abzureisen. Nach einem gechillten Vormittag im Oasis machten wir uns dann weiter: aber natürlich small, small. Wir kamen gerade mal kurz hinter Elmina und entdeckten einen wunderschönen, fast einsamen Strand für uns: Brenu Beach. Oliver hat hier sehr viele Dinge über sich lernen können: zum einen, dass ein kalkweißer Junge die ghanaische Mittagssonne ohne Sonnencreme nicht so gut verträgt, wie viel Haut man durch einen Sonnenbrand verlieren kann, dass er es schafft 3 Mal am Tag Lobster zu essen (er hätte es wahrscheinlich auch 9 Mal geschafft ;-) ) und dass man eine Kamera auch nach 4 Tagen wieder bekommen kann, wenn man sie im Sand hat liegen lassen. Da dieses Fleckchen Erde so schön war, der Hummer so gut schmeckte und wir warten wollten, bis Oliver nicht mehr selbst wie ein gekochter Hummer aussah, blieben wir einen weiteren Tag dort. 



Da ich aber bewaffnet mit dem Reiseführer am Pläne schmieden war, ging es dann auch gleich weiter nach Takoradi. Die Unterkunft war mal wieder ein Abenteuer, denn zunächst dachten wir noch, dass das Wasser auf dem Boden vom Wischen kam. Als wir uns aber nach einigen Stunden in einem Meer befanden, stellte sich heraus, dass es nicht eine eifrige Putzfrau war, sondern eine fehlerhafte Aircondition. Zum Schlafen reichte es und in mir wuchs immer mehr die Idee eine witzige Unterkunftskritik über jeden Schlafplatz an dem ich bin zu schreiben. Hier erlebt man immer so viele witzige Dinge, ich denke das wär bestimmt schön zum Lesen :-D Ich werde die Idee verfolgen!
Dann ging es mit dem Trotro weiter nach Axim, denn wir wollten nach Ankobra Beach. Also was soll man über dieses Erlebnis schreiben: Sagen wir es war speziell, denn irgendwie kamen wir auf die Idee zu laufen. Kurz bevor irgendetwas das man als Straßenähnlich bezeichnen konnte aufhörte, erspähten wir noch einen riesen großen, aufgemotzten neuen Porsche Turbo und dann ging es eine Felswand herab. Komisch kam uns das schon vor, aber naja… der Weg bzw. die Hinweise der Einwohner führten uns durch ein ziemlich ärmliches und dreckiges Fischerviertel und dann plötzlich ein Bach aus Dreck, Abwasser, Müll und die Brücke die da drüber führte kaputt. Oh man, hier höre ich besser auf… Ende der Geschichte, wir mussten wieder da hin wo wir her kamen um ein Taxi zu nehmen und haben uns gleich nach der Ankunft gründlich desinfiziert. Kurze Zeit danach saßen wir an diesem touristischen Strand und haben einen wunderschönen Bungalow gehabt. Als wir dort saßen, konnten wir genau sehen wo wir her kamen. Zwei Welten neben einander, doch die in der wir gerade ein Bier trinkend saßen war die surreale, die nichts mit jener der meisten ghanaischen Bevölkerung zu tun hat, bis auf dasselbe Wasser, das an den Strand gespült wird. Soviele Paradoxa und Gegensätze auf so engen Raum.
Nach diesem Erlebnis konnte ich leider Oliver nicht mehr so ganz von einer Weiterreise in den unerschlossenen Teil Ghanas überzeugen. Also machten wir uns noch ein paar wunderschöne Tage am Meer und in Accra, bevor es wieder hieß Lebewohl. Den ganzen Freitag war mir schon spei übel und als wir dann am Flughafen waren, rollten die Tränen dann auch schon wie Sturzbäche. 9,5 Monate bis zum Wiedersehen – eine lange Zeit, doch ich bin mir sicher, dass sich das warten lohnt 



Meist kommt das Leben anders als man denkt (Artikel der Thüringer Allgemeine)




Ich lebe jetzt schon zwei Monate hier in Ghana. Ein Land, welches auf seine eigene Art und Weise faszinierend und schön ist und welches mich durch seine Besonderheiten immer wieder aufs Neue in seinen Bann zieht. Vorbei ist nun die Eingewöhnungsphase und begonnen hat mein Arbeitsleben.
Als am 16. August 2011 meine Füße das erste Mal den ghanaischen Boden betraten und ich nach Nyakrom, meinen neuen Wohnort, fuhr, war ich voll und ganz auf die Arbeit in einem Umweltprojekt eingestellt. Doch wie das Leben so manchmal spielt, kam es anders als gedacht. Da nicht genügend Gelder zur Verfügung stehen, können geplante Projekte nicht umgesetzt werden. Da Zusammenarbeit jedoch an vielen Stellen sinnvoll erscheint und ich hier her gekommen bin, um meinen Erfahrungshorizont zu erweitern, haben wir gemeinsam im Youth an Environment Club beschlossen, dass ich zunächst in einer Schule unterrichten werde, da mein abgeschlossenes Lehramtsstudium eine gute Voraussetzung für einen interkulturellen Unterricht bietet.
So kam es, dass ich mich am 12. September 2011 auf dem Schulgelände der A.D.A Primary and Junior High School einfand, um Französisch und Creative Arts zu unterrichten. Eine Fächerkombination, die selbst noch heute für mich kaum vorstellbar ist. Wie jeder Tag begann auch dieser mit einer Vollversammlung, bei welcher die Schüler in Reih und Glied stehen, um zu Trommeln die Nationalhymne zu singen und anschließend gemeinsam zu beten. Im Zuge dieses zeremonielle Zusammentreffen hatte ich auch die Möglichkeit mich allen vorzustellen und zu meiner großen Freude, konnte ich in viele lächelnde Gesichter schauen, als sie erfuhren, dass nun für ein Jahr eine Oburoni – weiße Frau – an der Schule sein wird. Mittlerweile habe ich sogar das Vergnügen, an vier verschiedenen Schulen unterrichten zu dürfen.
Ich liebe es hier zu sein, jedoch wird mir jeden Tag bewusster, wie privilegiert ich in Deutschland aufgewachsen bin. Die Klassenzimmer, in denen ich unterrichtet wurde, waren gut ausgestattet und abgesehen von dem klasseneigenen Geräuschpegel, gab es so gut wie keine akustischen Störungen. Hier sieht das Schulgebäude etwas anders aus. Es ist ein von Wellblech überdachtes Gelände, in denen Holzbänke stehen und in dem die Klassen nur durch die Tafel von einander getrennt werden. Auch die Schülerzahl stellt eine große Herausforderung da. Während in Deutschland eine Klasse mit 28 Kindern bzw. Jugendlichen schon als zu groß gilt, sind in den ghanaischen Schulen 40 Schüler zumeist das Minimum. In meinen Klassen sind in der Regel 50 Schülerinnen und Schüler, jedoch habe ich auch einige Mädchen und Jungen kennengelernt, die in den letzten Jahren gemeinsam mit 140 anderen Schülern unterrichtet wurden. Wie dies möglich ist, frage ich mich jedesmal, wenn ich wieder damit beschäftigt bin, dass mir alle zuhören bzw. auf ihren Platz sitzen bleiben sollen.
Es gibt aber noch andere große Herausforderungen im Schulalltag. Zum einen das Unterrichten an sich, da dieses auf Englisch erfolgt. Das Problem ist nicht unbedingt, dass ich diese Sprache so wenig beherrsche, sondern dass die Muttersprache hier in diesem Gebiet Fanti ist und Englisch nur die Amtssprache, die man erst in der Schule lernt. Da ich aber ab der dritten Klasse aufwärts unterrichte, ist es äußerst schwierig es zu schaffen, dass die Schüler verstehen, was ich von ihnen will, insbesondere da ich einen vollkommen anderen englischen Akzent habe, was mir vor allem zu Beginn meines Aufenthalts selber enorme Verständnisprobleme bereitete. Momentan herrscht in meinem Kopf manchmal ein ziemliches Durcheinander, da ich deutsch denke bzw. mich auch in meiner Muttersprache mit Robin, einem anderen Freiwilligen, unterhalte, auf englisch die französische Sprache unterrichte und versuche nebenbei Fanti und Twi zu lerne.
Selbst das Normalste der Welt ist hier für mich manchmal problematisch, da es weder Strom und Wasser, noch sanitäre Anlagen auf dem Schulgelände gibt. So heißt es zumeist für mich: „Denke erst nach, was du demnächst machst, bevor du trinkst oder isst.“
Die größte Herausforderung für mich sind jedoch einige Facetten des Schulsystems. Wie bereits erwähnt, ist es nicht leicht, so große Klassen zu unterrichten, weshalb manchmal auf, für mich nur aus der Vergangenheit bekannte Sanktionsmaßnahmen, zurückgegriffen wird. Das ist die schwerste Frage überhaupt, wie soll man als Gast in einem fremden Land auf so etwas reagieren, ohne die Autorität des anderen zu verletzen oder als belehrend zu wirken.
Aber Ghana ist ein aufstrebendes Land und man merkt zunehmend einen neuen Wind, der immer stärker die Segel eines stolzen Schiffes bläht. Junge Lehrer mit Träumen und Ideen, die weg wollen, vom bloßen auswendig lernen und zur Selbstständigkeit und Praxisbezogenheit streben. Wie so oft fehlt es nur leider zumeist an Mitteln und Geldern.
Falls Sie einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der Arbeit hier in Nyakrom leisten wollen, würde ich mich sehr freuen, genauso über das Lesen meines Blogs.
Empfänger:                          VNB e.V.             
Kontonr:                               8444103
BLZ:                                      25069503
Verwendungszweck:          Projekt Weltwärts, Bianca Hinneburg